Knallrot statt schön braun, ein juckender, brennender Schmerz und eine Haut, die sich leichter schälen lässt als ein Apfel – wie ein Sonnenbrand aussieht und wie es sich anfühlt,…

Knallrot statt schön braun, ein juckender, brennender Schmerz und eine Haut, die sich leichter schälen lässt als ein Apfel – wie ein Sonnenbrand aussieht und wie es sich anfühlt, weiß wohl ein jeder. Welche teils dramatischen Langzeitfolgen jedoch mit Sonnenbränden einhergehen, ist weniger bekannt – oder wird gerne verdrängt. Und was im Detail im Körper passiert, wenn ultraviolette Strahlen die Haut entzünden, darüber rätselte bis vor kurzem sogar die Wissenschaft. Klar ist in jedem Fall: Sonne in der falschen Dosis ist brandgefährlich, mitunter tödlich. Richtige Prophylaxe beginnt im Kindesalter und erweist sich als stärkster Schutz gegen die unterschätzte Dermatitis Solaris.

Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Sonnenbrand und RNA-Moleküle – eine heiße Spur

Warum färbt ein Zuviel an ultraviolettem Licht die Haut entzündlich rot? Dem Rätsel kamen vor knapp zwei Jahren amerikanische Forscher an der University of California in San Diego auf die Spur. UV-Sonnenlicht schädigt ein kleines RNA-Molekül in den Hornzellen der Haut. Es folgt eine Kettenreaktion, die zum Sonnenbrand führt. Überrascht war das Team rund um die Wissenschaftler und Dermatologen Jamie Bernard und Richard Gallo zudem, als sie die bestrahlten Zellkulturen mit anderen gesunden Zellen vereinten: „Selbst die nicht bestrahlten Hautzellen produzierten nun entzündungsförderndeStoffe im Sinne eines Sonnenbrands“, schreibt Gallo im Fachjournal Nature Medicine. Die Vermutung liegt nahe, dass die vom Sonnenbrand geschädigten RNA-Moleküle auch für die Entstehung von Hautkrebs verantwortlich zeichnen. Eine Erkenntnis, die Forscher nutzen wollen, um neue Therapien für besonders lichtempfindliche Hauttypen zu entwickeln.

Alarmstufe Dunkelrot

Wie empfindlich die Haut auf ultraviolette Sonnenstrahlung reagieren kann, ist nicht zu übersehen. Der farbliche Wunsch mag braun sein, die Realität ist zumeist rot. Die Verfärbung der Haut dient zugleich als erster Anhaltspunkt für die Schwere der Belastung. Drei Grade von Verbrennungen werden in der Regel unterschieden. Grad 1 ist erreicht, wenn sich die Haut nach zwei bis acht Stunden knallrot färbt. Brennen und Juckreiz stellen sich ein. Von einem Sonnenbrand Grad 2 ist die Rede, sobald es zu einer Blasenbildung kommt. Typisch ist dabei eine zunehmend schmerzhafte Überempfindlichkeit bei leichter Berührung der geröteten Stellen. Ein Sonnenbrand dritten Grades liegt vor, wenn die Hautfärbung innerhalb von sechs Stunden nach dem Sonnenbad ins rötlich-violette übergeht. Die weitgehende Zerstörung der Oberhaut führt zu einer flächigen Ablösung, also zum Schälen der Haut. Klagen die Betroffenen zudem über Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder Fieber sind die Anzeichen eines Sonnenstichs gegeben. Spätestens jetzt wird die Behandlung in einem Krankenhaus notwendig. Unter anderem um Flüssigkeit und Mineralsalze im Blut zu kontrollieren und eventuell durch Infusionen zu ersetzen.

Weiße und schwarze Gefahren

Können die kurzfristig auftretenden Probleme eines Sonnenbrands noch gut behandelt werden, so sind die mittel- bis langfristigen Folgen weitaus schwerer in den Griff zu bekommen. „Die Haut vergisst nie“, heißt es. Altersflecken, Falten oder eine „ledrige“ Haut sind damit nur im „besten“ Fall gemeint. Im schlimmsten Fall droht der Hautkrebs. Statistiken belegen es: Kein Organ ist häufiger von Krebs betroffen als die Haut. Die Zahl der Erkrankungen hat sich laut Deutscher Krebshilfe in Deutschland in den letzten zehn Jahren auf aktuell mehr als 230.000 pro Jahr verdoppelt.

In 90 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Karzinome, die sich an exponierten Hautstellen (meistens Gesicht und Körperextremitäten) entwickeln. Mediziner sprechen von Basalzell- und spinozellulären Karzinomen. Umgangssprachlich ist vom „weißen Hautkrebs“ die Rede. Metastasen in anderen Organen werden selten gebildet. Die Heilungschancen stehen dementsprechend gut. Als wesentlich seltener, aber umso bösartiger, gelten die malignen Melanome. Beim so genannten „schwarzen Hautkrebs“ entarten Melanomzellen aggressiv, schleusen sich entlang von Blutgefäßen durch den Körper und werden zur tödlichen Gefahr, wenn sie Krebs in anderen Organen auslösen. Eine Früherkennung tut Not. Ist ein dunkles Muttermal dazu gekommen? Hat sich ein Leberfleck verändert? Regelmäßige Selbstuntersuchungen mit den Augen oder durch Abtasten mit den Fingern sind hilfreich, ein zusätzliches Hautscreening beim Arzt – ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre – empfehlenswert.

Schütze sich, wer kann

So dramatisch die Folgen von Sonnenbränden sein können, so einfach ist im Prinzip die Vorbeugung. Erste und oberste Maxime: Steht die Sonne im Sommer zwischen 11 und 15 Uhr hoch am Himmel, sollte auf ein Sonnenbad gänzlich verzichtet werden. Ein spezielles Risiko geht von den ersten heißen Sonnentagen im Jahr aus, wenn die ultraviolette Strahlung auf eine blasse, unvorbereitete Haut trifft. Besonders heimtückisch sind die Sonnenstrahlen in den Bergen und wenn sie vom Wasser reflektiert werden. In beiden Fällen bieten lange Kleidung, Kopfbedeckung und geeignete Brillen den besten Schutz. Vorsicht ist auch bei der Einnahme von Medikamenten geboten. Johanniskraut-, Arnika- oder Baldrianpräparate sowie manche Antibiotika vertragen sich schlecht mit der Sonne, da sie die Haut gegenüber Sonnenstrahlung noch empfindlicher machen. Wie empfindlich man ist, hängt schließlich auch vom Hauttyp ab. Personen mit heller Haut, Sommersprossen, hellblondem Haar und blauen Augen müssen besondere Sorgfalt walten lassen. Wer glaubt, die Natur mit Indoor-Vorbräunen überlisten zu können, liegt übrigens falsch. UV-Licht aus dem Sonnenstudio ist anders zusammengesetzt als jenes der Sonne und schützt nicht vor dem ersten Sonnenbrand. Weit sinnvoller ist es, ganzjährig auf die richtige Ernährung zu setzen. Obst und Gemüse sorgen für die ausreichende Versorgung mit so genannten Antioxidantien (Vitamine: A bzw. ß-Carotin, E, C sowie die Spurenelemente Selen und Zink) und beugen Krebs vor. Guten Schutz vor Sonnenbrand bieten zudem die im grünen Tee enthaltenen Polyphenole.

Großes Einmaleins bei Sonnenschutzmitteln

Unbestritten ist freilich: Wer sich der Sonne aussetzt, braucht ein Sonnenschutzmittel, eines das sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlung schützt. Bei der Ermittlung des richtigen Sonnenschutzfaktors hilft das Große Einmaleins. Multipliziert man die Eigenschutzzeit der Haut – rund 5 Minuten bei sehr heller Haut, bis zu 30 Minuten bei dunklem Typ – mit dem angegebenen Lichtschutzfaktor, ergibt die einfache Rechnung jene Zeit, die man höchstens in der Sonne bleiben darf.

Weniger klar ist hingegen, welche Produktart die richtige ist, also was für bzw. gegen Spray, Gel, Öl, Milch oder Creme spricht. Generell gilt: Sprays sind praktisch aber schwer zu dosieren, da beim Sprühen eine unbestimmte Menge der Lotion verloren geht. Sonnengels schmieren wenig, dringen gut in die Haut ein und eigenen sich vor allem als schwitzfeste Mittel. Öle sind hautfreundlich, haben aber oft nur einen geringen Schutzfaktor und sind somit ungeeignet für helle Hauttypen. Sonnencreme und Sonnenmilch gibt es hingegen mit allen Lichtschutzfaktoren, wobei die Creme bei trockener Haut eher zu bevorzugen ist. Für alle Mittel heißt es: Nur wiederholtes, großzügiges Auftragen – sowie der Einsatz von wasserresistenten Mitteln beim Baden – bringt den gewünschten Schutzeffekt vor Sonnenbrand.

Billig ist nicht schlecht – und nicht jeder UV-Filter ist gut

Wenn dickes Auftragen ausnahmsweise keinen Makel, sondern ein Muss darstellt, kommt der Preis pro Mengeneinheit ins Spiel. Und die Preisspanne bei Sonnenschutzmitteln ist enorm. Zwischen 80 Cent und 18 Euro pro 100 Milliliter kosten die feil gebotenen Produkte der zahlreichen Anbieter. Dass billig nicht schlecht bedeutet, zeigt der jüngste Test der Stiftung Warentest. Unter 19 geprüften Cremes, Sprays und Gels gingen vier preiswerte Discounter-Produkte als Testsieger hervor.

Der Preis darf freilich nicht das einzige Kaufkriterium sein. Neben dem richtigen Lichtschutzfaktor sollte der Verbraucher auch die Qualität der UV-Filter berücksichtigen. So stehen vor allem chemische Filter wie Octocrylene oder Ethylhexyl Methoxycinnamate seit Jahren im Verdacht, wie Hormone zu wirken. Gleiches gilt für einige Parabene (Propyl- und Butylparaben, insbesondere Isobutylparaben), die in Kosmetika als Konservierer eingesetzt und durch die Haut in den Körper aufgenommen werden. Auf Nummer sicher geht man laut dem Verbrauchermagazin Öko-Test diesbezüglich mit dem Kauf von Sonnenschutzmittel mit mineralischen UV-Filtern.

Zuletzt noch ein Hinweis für Menschen, die zu Allergien neigen: Beim Duftstoff Lyral und bei künstlichem Moschus-Duft kann es laut Öko-Test Experten zu allergischen Reaktionen kommen.

Conclusio: Einem sorgfältigen Vergleich bei der Auswahl des Sonnenschutzmittels kommt ebenso große Bedeutung zu wie der korrekten Anwendung von Creme, Gel, Spray oder Milch. Das gilt in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche, die einen höheren Lichtschutzfaktor als Erwachsene benötigen. Denn die sensible Kinderhaut ist besonders gefährdet. Und mit jedem einzelnen Sonnenbrand steigt die Gefahr, später an Hautkrebs zu erkranken.

Bild: BirgitH /pixelio.de

Auszug von Sonnenschutzmitteln mit mittlerem Schutz (Sonnenschutzfaktor 20), die in Tests regelmäßig positiv bewertet werden (Preise als mittlere Ladenpreise):

Sunozon Sonnenmilch: 0,88 Euro pro 100 ml

Ombia Sun Tropical Fee­ling Sonnenmilch: 1,18 Euro pro 100 ml

Cien Sun Trans­parentes Sonnen­spray Light: 1,60 Euro pro 100 ml

Preisspanne ähnlich bewerteter Produkte:

Sun Dance Schutz & Bräune Sonnenmilch: 1,73 Euro pro 100 ml

Clarins Sun Care Milk-Lotion Spray: 18,30 Euro pro 100 ml

Teilweise als bedenklich eingestuft, in Bezug auf die Einhaltung des Sonnenschutzfaktors:

Lavozon Sonnen-Öl Spray: 2,65 Euro pro 100 ml

Ambre Solaire Golden Protect Schimmernde Sonnenmilch (LSF 30): 7,22 Euro pro 100 ml

Sonnenbrand – brandgefährlich
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