Fast jeder kennt sie, ungefähr 7 von 10 Deutschen verspüren sie mindestens einmal im Jahr. Rückenschmerzen sind tatsächlich eine Art Volkskrankheit und statistisch gesehen erfolgt jeder zehnte Arztbesuch insgesamt nur aus diesem Anlass. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit dieser Art von Beschwerden zu beschäftigen…

Fast jeder kennt sie, ungefähr 7 von 10 Deutschen verspüren sie mindestens einmal im Jahr. Rückenschmerzen sind tatsächlich eine Art Volkskrankheit und statistisch gesehen erfolgt jeder zehnte Arztbesuch insgesamt nur aus diesem Anlass.

Grund genug, sich einmal ausführlicher mit dieser Art von Beschwerden zu beschäftigen. Der Rückenschmerz tritt meistens sehr schnell und unvermutet auf, bleibt dann aber meistens für längere Zeit, also mehrere Tage, bestehen. Betrifft er den oberen Rücken und Nacken, können zusätzlich auch noch Kopfschmerzen auftreten. Im mittleren Rücken können manchmal sogar Atembeschwerden auftreten, weil mitunter die kleinen Gelenke zwischen den Rippen und den Wirbelkörpern in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine andere Bezeichnung für Schmerzen im unteren Rückenbereich ist auch der bekannte „Hexenschuss“ im medizinischen Sprachgebrauch Lumbalgie genannt, der neben dem plötzlichen Auftreten auch eine deutliche Bewegungseinschränkung, insbesondere beim Bücken, mit sich bringt.

Ursachen

Rückenschmerzen können durch verschiedene entzündliche Prozesse im Bereich der Wirbelsäule oder auch der Bandscheiben verursacht werden, Fehlstellungen der Wirbelkörper, Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise der Morbus Bechterew aber auch Stoffwechselerkrankungen können Symptome in Form von Rückenschmerzen zeigen. In solchen Fällen spricht man von spezifischen Rückenschmerzen und hier ist der frühzeitige Arztbesuch zur Abklärung der genauen Ursache unabdingbar.

Glücklicherweise sind aber die meisten Rückenschmerzen, nämlich mehr als 80 Prozent, „unspezifischer“ Natur. Unspezifisch bedeutet, dass wir es mit verspannten, verkürzten, aber auch überdehnten Muskeln und Sehnen zu tun haben, ohne dass etwa spezielle Schäden an der Wirbelsäule sichtbar sind.

Rückenschmerzen als Warnsignale

Unspezifische Rückenschmerzen sind häufig Warnsignale, dass etwas in der Alltagsroutine des Patienten nicht stimmt. Treten wiederholt Beschwerden auf, sollte man sich eine Art Checkliste machen, die man Punkt für Punkt überprüft:

  • Falsch angepasstes Schuhwerk/fehlende Einlagen

Schlecht sitzende Schuhe führen zu einer verstärkten Fehlbelastung des Rückens und der Wirbelsäule.

  • Falsche Sitzposition

Viele Menschen verbringen heute einen Großteil ihrer Zeit in sitzender Position etwa hinter dem Schreibtisch. Hier spielen falsche Sitzgelegenheiten, wie unergonomische Stühle und Sessel, aber auch falsche Sitzpositionen, eine große Rolle. Früher ging die Tendenz dahin, die Menschen zu einem möglichst aufrechten Sitz zu animieren. Das kräftigt zwar die Muskulatur und entlastet insbesondere die Brustwirbelsäule, ist aber auch nicht die einzige Wahrheit. Wenn sie zwischendurch das Bedürfnis haben, sich auch mal ordentlich „hinzulümmeln“, geben Sie dem ruhig nach. Ihr Körper weiß oft instinktiv, welche Position entspannend und erholsam ist.

  • Falsches Anheben von Lasten

Das Anheben von Gegenständen aus einer bückenden Position heraus ist oft eine Ursache des gefürchteten Hexenschusses. Hochgefährlich ist besonders, wenn man mit nahezu durchstreckten Beinen unter starker Biegung der Lendenwirbelsäule etwas vom Boden aufheben will. Gehen Sie dabei lieber tief in die Knie und halten die Wirbelsäule möglichst gerade.

  • Überbeanspruchung

Wenn Sie eine ungewohnte Tätigkeit, wie etwa einmal im Jahr die Gartenhecke schneiden, ausüben, werden viele Muskeln massiv beansprucht, die sonst kaum trainiert sind. Als Folgeerscheinung tritt eine Art Muskelkater auf, der sich als Rückenschmerz äußern kann. Bei untrainierten körperlichen Tätigkeiten ist es wichtig, sich genügend Zeit für die Arbeit zu nehmen und zwischendurch Pausen einzulegen.

  • Zugluft/Unterkühlung

Nahezu jeder hatte schon mal das Pech. Man hat sich gerade beim Sport oder bei körperlicher Arbeit ausgetobt und ist ganz schön ins Schwitzen gekommen. Bei der wohlverdienten Pause und der durch die Anstrengung erhitzten Muskulatur merkt man überhaupt nicht, wie sich die kühlende Luft am Rücken ausbreitet. Die Blutgefäße sind durch die Anstrengung erweitert und die kühle Luft löst jetzt eine starke Verhärtung aus, die auch entzündliche Reaktionen im Muskel hervorrufen kann. Folge ist of ein steifer Nacken (muskulärer Schiefhals).

  • Stress

Woher kommt wohl das alte Sprichwort: „Da hat mir jemand ins Kreuz getreten“? Persönlicher Stress führt of zum Anziehen der Schultern und dauerhafter muskulärer Anspannung der gesamten Rückenmuskulatur. Bleibt die Anspannung länger bestehen, verhärten sich die Muskeln ähnlich wie bei Zugluft und es treten ähnliche Symptome auf.

Natürlich ist es am Besten, wenn die Ursachen konsequent vermieden werden und es gar nicht erst zu den leidigen Schmerzen kommt. Aber was ist zu tun, um sie möglichst schnell wieder loszuwerden?

Therapie

Bei der Behandlung von Rückenschmerzen müssen wir 2 Phasen unterscheiden. In der Akutphase, unmittelbar, nachdem der Schmerz eingesetzt hat, hilft eine sofortige Entlastung der betroffenen Muskelgruppen. Dabei legt sich der Patient in Rückenlage auf den Boden, winkelt die Beine ab und legt die Unterschenkel auf einen ca. 40 bis 50 cm hohen Hocker (Stufenlagerung). Zur weiteren Entlastung kann auch ein aufgerolltes Stück Kleidung oder Handtuch zwischen die Lendenwirbelsäule und den Boden gelegt werden. Die Position sollte mindestens 10 Minuten gehalten werden und man sollte sich darauf konzentrieren, die Muskulatur so gut wie möglich zu entspannen.

Zur Behandlung der Schmerzen kann man ruhig auch rezeptfreie Schmerzmittel einnehmen. Sie sollten auch eine entzündungshemmende Wirkung besitzen, was beispielsweise bei Ibuprofen oder Paracetamol der Fall ist. Auf keinen Fall die im Beipackzettel angegebene Dosis überschreiten!

In der frühen Phase kann auch die Mobilisierung der Wirbelsäule durch einen erfahrenen Chiropraktiker helfen. Allerdings ist es nicht immer leicht, in der Nähe einen guten Therapeuten zu finden und er muss auch noch einen Termin frei haben.

Lokal in den betroffenen Muskelgruppen können entzündungshemmende Gels mit dem Wirkstoff Diclofenac Linderung bringen. Auch die Anwendung von Wärmepflastern oder Salben mit wärmeproduzierender Wirkung können kleine Wunder vollbringen.

Ist die Akutphase vorbei und die Schmerzen bleiben mehrere Tage oder es kommt immer wieder zu erneuten Schmerzattacken, reichen die oben beschriebenen Maßnahmen nicht mehr alleine aus.

Jetzt sollte man unbedingt seinen Arzt aufsuchen, um die genaue Ursache abzuklären und spezifische Erkrankungen auszuschließen. Ist das erledigt und es bleibt bei der Diagnose „unspezifisch“, kann man trotzdem noch eine ganze Menge tun, um das Problem in den Griff zu bekommen. Dabei verfolgt man mehrere verschiedene Therapieansätze zeitlich parallel zueinander (multimodale Therapie).

An erster Stelle steht die Physiotherapie. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass eine Behandlung alleine nie ausreicht, genauso wenig, wie Massagen ohne aktive Kräftigung der Muskulatur durch spezielle Übungen dauerhaften Erfolg bringen. Teil der Physiotherapie ist auch die Schulung und das Training einer rückenschonenden Körperhaltung.

Psychotherapeutische Verfahren wie das Erlernen von Entspannungsverfahren, Stichwort „progressive Muskelrelaxation“, gehören ebenfalls fest zur multimodalen Therapie.

Es gibt sehr viele hilfreiche Ansätze, um das Problem mit dem Rücken grundlegend zu verbessern. Viele Tipps hat der Physiotherapeut Kay Bartrow in seinem Buch „Die 50 besten Rückenschmerz-Killer, erschienen im Trias Verlag Stuttgart, zusammengefasst.

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