Die ersten Krokusse blühen, die Kraniche kehren zurück in die heimischen Gefilde und der Frühling sendet seine Boten aus. Einige dieser Boten, wie Pollen und Gräser, rufen bei manchen Menschen ganz und gar nicht..

Die ersten Krokusse blühen, die Kraniche kehren zurück in die heimischen Gefilde und der Frühling sendet seine Boten aus. Einige dieser Boten, wie Pollen und Gräser, rufen bei manchen Menschen ganz und gar nicht die positiven Gefühle hervor, die mit der Jahreszeit allgemein verbunden werden. Jene Leute würden sich am Liebsten im dunkelsten Raum des Hauses verkriechen und dort abwarten, bis der Spuk vorbei ist.

Bildquelle: Echino /pixelio.de

Es sind diejenigen, die mit einem Heuschnupfen „bestraft“ sind und die viel dafür geben würden, wenn wenigstens ein Jahr das lästige Niesen, Kratzen im Hals, die verstopfte Nase und die juckenden, geröteten und geschwollenen Augen ausblieben. Heuschnupfen ist eine Allergie, unter der etwa jeder fünfte Deutsche leidet. Und bei manchen Menschen sind die Symptome so schlimm, dass ihre Lebensqualität massiv eingeschränkt ist. Aber das muss nicht so bleiben: Die moderne Medizin bietet eine ganze Palette von nebenwirkungsarmen Möglichkeiten, die den Patienten erhebliche Linderung bringen und manchmal die Allergie sogar ausheilen können.

Ursachen des Heuschnupfens

Wie bei allen Allergien, liegt die Ursache des Heuschnupfens in einer Überreaktion der körpereigenen Abwehr. Unser Immunsystem erkennt fremde Stoffe, die in den Körper eindringen, hauptsächlich an deren Eiweißstrukturen und kann dabei harmlose Stoffe von den Gefährlichen, wie etwa krankmachende Viren oder Bakterien ganz gut unterscheiden. Bei einer Allergie kommt es zu einer Fehlregulation. Der Körper glaubt, dass die an sich harmlosen Pollen gefährliche Krankheitserreger sind und versucht sie über die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren wie Histamin wieder loszuwerden. Die Veranlagung, eine Allergie zu bekommen, ist auch genetisch festgelegt. Wenn beide Elternteile Allergien haben, beträgt für den Nachwuchs das Risiko, selbst eine Allergie zu bekommen, bis zu 80 Prozent. Die Allergie selbst ist aber niemals angeboren, sondern wird im Laufe des Lebens „erworben“. Deshalb gibt es Menschen, die einen Heuschupfen erst mit 40 oder 50 Jahren bekommen.

Ein häufig diskutierter Zusammenhang mit der Ausprägung einer Allergie ist die starke Überforderung unserer Abwehr durch zahlreiche Umweltgifte. Das Immunsystem steht quasi unter Dauerstress und irgendwann entstehen aus diesem Stress überschießende Reaktionen, die sich dann auch in Form von Heuschnupfen äußern können. Womit wir gleich zur schlechten Nachricht kommen: Ist der Heuschnupfen erst einmal da, wird er sich nicht von selbst ausheilen können, sondern erst abklingen, wenn die allergene Substanz verschwunden ist. Und sowie der Körper erneut mit der Substanz in Berührung kommt, kehrt auch der Heuschnupfen zurück.

Der Heuschnupfen alleine ist eine relativ harmlose Erkrankung, die abklingt, wenn die auslösende Ursache buchstäblich aus der Luft verschwunden ist. In einigen Fällen kann sich der Entzündungsherd allerdings von den Nasenschleimhaut und der Bindehaut des Auges in die oberen Atemwege, also die Bronchien verlagern und dort ein allergisches Asthma auslösen. Das ist dann nicht mehr so harmlos und kann über einen längeren Zeitraum zu einer Einschränkung der Lungenfunktion führen.

Wenn Sie ernsthaft Ihrem Heuschnupfen „an den Kragen“ gehen wollen, führt kein Weg an einem Allergologen, also einem Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“ vorbei. Dieser Arzt kann mit ein paar einfachen und zuverlässigen Tests herausfinden, gegen welche Art von Gräsern und Pollen Sie allergisch sind. Und das Allergen zu kennen, ist schon der erste Schritt zu einer vernünftigen Behandlung.

Therapie

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Eine Vorbeugung durch Vermeidung der Substanz, die die Allergie auslöst, ist relativ sinnlos. In der Pollenflugzeit sind die jeweiligen Auslöser ständig in der Luft und was nützt das beste Pollenschutzgitter vor dem Fenster, wenn die Pollen zur Tür herein kommen. Im Gegensatz zu Intoleranzen kommt es bei einer Allergie nicht auf die Menge der auslösenden Substanz an. Schon der Kontakt mit der winzigsten Menge löst die Entzündungsreaktion aus. Wenn ich einen Pollenflugkalender zur Hand habe, weiß ich zwar, wann der Heuschnupfen kommt, verhindern kann ich ihn aber auch damit nicht.

Bei der Behandlung des Heuschnupfens wählt man 3 verschiedene Angriffspunkte. Einerseits sollen die unmittelbaren Symptome spürbar gelindert werden, zweitens will man eine größere Toleranz des Körpers gegenüber dem Allergen erreichen und drittens versucht man, das Immunsystem des Patienten zu stabilisieren.

1.)Symptome bekämpfen

Die Entzündungsreaktion bekämpft man durch Blocken der Andockstellen für das Histamin. Früher hatte das erhebliche Nebenwirkungen wie etwa starke Schläfrigkeit, aber moderne Antihistaminika wie beispielsweise Lorano© blocken gezielt nur die Rezeptoren, die bei der örtlichen Entzündungsreaktion eine Rolle spielen. Angeblich soll die Wirkung bis zu 24 Stunden anhalten, aber viele Menschen haben nur etwa 5 bis 6 Stunden Ruhe damit.

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Ähnlich wirken Medikamente mit dem Wirkstoff Cromoglizinsäure, die verhindern, dass die Mastzellen im Körper Entzündungsmediatoren freisetzen. Der Vorteil dieser Substanz ist, dass sie nur lokal an den Schleimhäuten wirkt und nicht in den Blutkreislauf übergeht.

Zur Abschwellung der Nasenschleimhäute gibt es zahlreiche gut wirksame Sprays (z. B. Otriven©) die innerhalb von Minuten spürbare Linderung bringen. Manchen Sprays ist auch noch ein dem Kortison ähnlicher Wirkstoff beigefügt, der zusätzlich die allergische Rektion eindämpft. Zur Linderung der allergischen Reaktion an den Augen haben sich ebenfalls kortisonhaltige Tropfen bewährt.

2.)Toleranz gegenüber dem Allergen aufbauen

Mit einer Immuntherapie oder auch Hypo- bzw. Desensibilisierung versucht man, eine Toleranz des Körpers gegenüber dem Allergen aufzubauen. Dazu muss der behandelnde Arzt zunächst mit Tests genau ermitteln, gegen welche Art von Gräsern oder Pollen der Patient allergisch reagiert. Danach spritz er sehr kleine Mengen des Allergens unter die Haut und gibt dem Patienten Lutschtabletten mit, die ebenfalls kleinste Dosen der Substanz enthalten. Die Therapie ist sehr effektiv und nebenwirkungsarm, aber auch langwierig. Richtig durchgeführt dauert sie bis zu 3 Jahre, wobei die Injektionen „nur“ in den ersten 6 bis 8 Monaten im wöchentlichen Abstand erfolgen und danach nur noch die Lutschtabletten eingesetzt werden. Mittlerweile gibt es auch neue Verfahren, die versuchen, den Therapiezeitraum auf wenige Wochen vor der Pollensaison zu verkürzen (Rush oder UltraRush Therapie).

Bild: ©dpa

3.)Immunsystem stabilisieren

Dieser Angriffspunkt ist die Domäne der Alternativmedizin, Naturheilkunde und Homöopathie. Es wird daher von einigen strenggläubigen Schulmedizinern recht kritisch gesehen, allerdings gibt es auch viele positive Studien, die einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfung stand halten. Ziel ist es, eine Art Stressabbau im Immunsystem durchzuführen und das geht nur unter Berücksichtigung ganzheitlicher Aspekte.

Die Stärkung des Immunsystems ist stets eine sehr individuelle Therapie und hängt von der persönlichen Belastung mit Giftstoffen, den Ernährungsgewohnheiten, Alkohol- und Nikotinkonsum, Schlafgewohnheiten und körperlicher Belastung ab. Hier näher darauf einzugehen, würde den Rahmen sprengen und deshalb wird die Stärkung der Immunabwehr das kommende Thema der Woche sein.

Heuschnupfen
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