Als mir im November ein Freund den Link eines DailyMotion Videos zuschickte, war ich offen gestanden schon gelangweilt, nachdem ich den Link öffnete
ls mir im November ein Freund den Link eines DailyMotion Videos zuschickte, war ich offen gestanden schon gelangweilt, nachdem ich den Link öffnete und sah das es sich scheinbar um ein 55 Minuten langes Diätvideo handelte. Aber die Tatsache, dass ich ihm erstens versprochen hatte, es mir anzusehen und ihm meine Meinung mitzuteilen und zweitens die BBC als Quelle fungierte und damit die Möglichkeit einer kommerziellen Berieselung durch irgendeinen der zahllosen Diätprodukteanbieter spürbar kleiner wurde ließ mich dann doch die Playtaste anklicken.
Das Video, das alles änderte
Für alle Leser, die sich etwa eine Stunde Zeit nehmen wollen, hier der Link:
http://www.dailymotion.com/video/xvdbtt_eat-fast-live-longer-hd_shortfilms
Die Gefahr, eine Stunde meines Lebens sinnlos zu vergeuden, erwies sich schon nach wenigen Minuten als Trugschluss. Wenn wir das Wort „Diät“ hören, denken wir normalerweise an reduzierte Kalorienzufuhr, restriktive Nahrungsmittelauswahl, hauptsächlich also Entsagung und Verzicht und geringere Lebensqualität für Genussmenschen. Diät selbst ist aber ein wertneutraler Ausdruck und bedeutet nichts anderes als Ernährung. Das wird umso deutlicher, wenn wir beispielsweise an die hyperkalorische Diäten von Ausdauer- und Kraftsportlern denken. Was, bitteschön, hat eine Zufuhr von 5.000 Kilokalorien am Tag mit Verzicht zu tun?
Offen gestanden ist meine Motivation, kalorienreduzierte Diäten durchzuziehen, relativ gering. Noch geringer wird sie, wenn gestandene Nudel- und Schokoladeliebhaber, wie ich es einer bin, konsequent auf ihre Kohlehydrate verzichten sollen. Das geht mal ein paar Tage lang gut, aber spätestens nach der zweiten Woche raubt mir das Konzept soviel Lebensfreude, dass ich entnervt hinwerfe und der berühmte Jojo Effekt einsetzt.

Lizenz: photoXpress.com
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch bei der 5 : 2 Diät geht es um Entsagung. Allerdings nur an 2 Tagen in der Woche, während ich an den restlichen 5 Tagen meine Gelüste, Ernährungsfehler und Lebensfreude weiterhin ausleben darf. Das Grundkonzept hörte sich für mich vielversprechend an. Wie leicht kann es sein, 24 Stunden zu fasten, wenn ich genau weiß, dass ich mir am nächsten Tag zum Mittagessen meine geliebte Spagetti carbonara reinschaufeln darf? Und genau dies erlaubt doch wohl die 5 : 2 Ernährungsweise… Das Konzept ist genauso simpel wie genial: An 5 Tagen pro Woche lebe ich weiter wie bisher und an den restlichen 2 Tagen schränke ich meine Kalorienzufuhr auf maximal 400 Kilokalorien ein. Wichtig ist nur, um die notwendigen Veränderungen im Stoffwechsel durchzuführen, dass ich an den beiden Fastentagen auch mal so richtig „Hunger“ spüre. Hintergründe und Fakten zu dem Konzept möchte ich hier nicht näher erläutern, dazu verweise ich auf den Artikel mit den Facts:
Gesunde Diät: die 5 + 2 Methode
Ausgangssituation
Kurzum, dass Konzept hat mich so begeistert, dass ich es auf jeden Fall einmal selbst ausprobieren wollte. Unter ausdrücklichem Verzicht auf jeden Datenschutz veröffentliche ich hier meine Ausgangssituation: Männlicher Erwachsener, 55 Jahre, 182 cm, 95 kg, 26 Prozent Körperfettanteil, Bauchumfang 103 cm. Die Statistiker unter Ihnen sollen sich die relevanten Kernzahlen wie BMI etc. bitte selbst ausrechnen, ich hülle lieber den Mantel des Schweigens darum. Fakt ist, dass ich übergewichtig bin, wenngleich sich das Ganze eher im unteren Bereich abspielt, aber zuviel bleibt zuviel. Einige werden sich vielleicht fragen, warum ich bei den genannten Kennzahlen „nur“ 26 Prozent Körperfettanteil habe. Das wiederum liegt an meinem ausgiebigen Sportprogramm. Ich spiele im Jahr ca. 300 Runden Golf, die ich so gut wie immer laufe und dabei das Golfbag (ca. 13 kg.) trage. Macht im Jahr ca. 3.300 sportliche Kilometer, die quasi als Belohnung auch noch mit etwa 250.000 verbrannten Kilokalorien zu Buche schlagen. Aufgrund der Kontinuität dieser Aktivität bleibt natürlich ein gewisser Muskelaufbau nicht ganz aus.
Als Fastentage habe ich grundsätzlich den Montag und Donnerstag einer Woche auserkoren. Sollte an einem der beiden Tage ein kulinarischer Termin anstehen, wird einfach um einen Tag verschoben. Die Durchführung gestaltet sich recht einfach. Am Vorabend des Fastentages ist direkt nach dem meistens ausgiebigen und ernährungswissenschaftlich nicht allzu gesunden Abendessen um ca. 20 Uhr Schluss mit Futtern. Konkret bedeutet dies: Keine Schokolade, Nüsse oder Popcorn mehr, genauso wenig irgendwelche kalorienhaltigen Getränke. Am nächsten Tag versuche ich dann, die erste Mahlzeit soweit wie möglich nach hinten zu verschieben, bis ich richtig heftigen Hunger verspüre. Meistens ist das zwischen 15 und 17 Uhr der Fall. Dann gibt es einen mittelgroßen Apfel (ca. 90 kcal). Der hält natürlich nicht so lange vor und zwischen 20 und 21 Uhr kommt wieder ein stärkeres Hungergefühl auf. Jetzt gibt es im Wechsel an manchen Fastentagen mal 500 ml einer Gemüsebrühe oder auch eine Fertigsuppe mit einem geschlagenen und eingerührten halben Ei (ca. 200 kcal), an anderen Fastentagen hingegen 200 ml Almased, angerührt mit Wasser und 3ml Rapsöl. (ca. 220 kcal) Das reicht dann locker bis zum nächsten Morgen, an dem ich wieder ganz normal frühstücke. An den beiden Tagen achte ich auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von etwa 600 ml Kaffee, 500 ml Tee und 1 ½ Liter Wasser.
Fastenzeit ist Selbsterfahrung
Die Fastentage erlebe ich recht unterschiedlich. Manchmal ist es richtig hart, ab mittags kreisen die Gedanken häufiger um Essen, als mir lieb ist. An anderen Tagen fällt es mir ausgesprochen leicht. Paradoxerweise geht es an Tagen mit gesteigerter sportlicher Aktivität deutlich leichter als an reinen „Bürotagen“. Mein Rekordfastentag war der 26. Dezember 2014. Da ich am 1. Weihnachtsfeiertag eine Einladung zum Abendessen hatte, die ich keinesfalls verpassen wollte, verschob ich den Fastentag kurzerhand auf den Freitag. Zunächst ging es bei minus 11° C um 10 Uhr auf die Skipiste. Nach 5 Stunden alpinem Skifahren zwischen 2.300 m und 3.100 m ging es um 15 Uhr von Val Thorens aus mit dem Auto zurück nach Hause in den Taunus. Die 840 km habe ich alleine mit 2 kurzen Pausen von jeweils 10 Minuten in insgesamt 8 Stunden abgespult. Die gesamte Nahrungsaufnahme an jenem Tag lag bei einem Apfel um 20 Uhr, ohne dass ich besondere Hungerfantasien entwickelte.
Was mich selbst wundert, sind die psychischen Auswirkungen. Ich hatte eigentlich fest damit gerechnet, an Fastentagen aggressiver, unkonzentrierter und vielleicht auch latent depressiv zu werden, insgesamt weniger leistungsfähig zu sein. Stattdessen ist genau das Gegenteil der Fall. Ich werde ruhiger, meine Handlungen sind zielgerichteter und meine Sinne, insbesondere der Hör- und Geruchssinn schärfen sich. Das Fasten wirkt bei mir tendenziell eher stimmungsaufhellend und wenn der Hunger einmal quälend wird, denke ich einfach an die fantastischen Leckereien, die ich mir am nächsten Tag gönnen werde.
Aber auch darüber hinaus hat das Fasten eine gewisse Änderung in Hinblick auf die Esstage bewirkt. Das Frühstück am nächsten Morgen ist eine wahre Geschmacksexplosion im Mund und Gaumen, was den Begriff „Genuss“ neu definiert. Vor Beginn des Experiments war ich ein echter Schnellesser, ganz nach dem Motto: „Ich kaue nicht, was ich schon schlucken kann“. Jetzt lasse ich mir richtig Zeit zum Essen, kaue ausgiebig und koste die Nahrung mit meinen Sinnen aus. Auch die Heißhungerattacken sind komplett verschwunden. Früher habe ich es insbesondere abends öfter mal geschafft, innerhalb von 10 Minuten eine halbe Tafel Schokolade oder eine halbe Packung Gummibärchen zu vertilgen. Ich liebe nach wie vor diese Sachen, aber jetzt ist es mit einem Riegel oder 5 bis 6 Gummibären vollkommen getan. Insgesamt befürchtete ich, an den normalen Esstagen mehr zu essen als bisher. Tatsächlich sieht es aber so aus, dass ich an jenen Tagen eher weniger zu mir nehme.
Zwischenstand
Begonnen habe ich das Experiment am 08. Dezember 2014 und jetzt, am 26 Januar 2015, ist es an der Zeit, einmal Zwischenbilanz zu ziehen. In 7 Wochen hatte ich insgesamt 14 Fastentage, die auch konsequent eingehalten wurden. Aktuelles Gewicht: 90 kg, 21 Prozent Körperfettanteil, 99 cm Bauchumfang.
Besonders interessant finde ich jedoch die positiven Veränderungen im Herz/Kreislaufsystem. Der Blutdruck-Ausgangswert lag bei 145/90 mm Hg bei einem Puls von 80/min. Aktueller Wert: 130/80 bei einem Ruhepuls von 65/min.
Natürlich spielt dabei auch eine gewisse Rolle, dass ich die letzten 3 Wochen in Südspanien verbracht hatte und dabei Golf extrem auf dem Programm stand. An 21 Tagen spielte ich 36 Runden à 18 Loch, wobei ich nur 9 Runden ein Ecart benutzte und ansonsten zu Fuß ging und das Bag auf dem Rücken trug.
Wie es weiter gehen soll
Mein Zielgewicht liegt im Bereich von 82 bis 84 kg und bis dahin werde ich die 5 : 2 Diät konsequent weiter durchziehen. Wie lange es tatsächlich dauert, bis ich mein Wunschgewicht erreiche, ist mir ziemlich egal. Ob ich dann weiterhin 5 :2 mit etwas mehr Nahrung an den Fastentagen mache oder auf 6 : 1 umschwenke, entscheide ich, wenn es soweit ist. Mitte Februar werde ich zu Kontrollzwecken den Blutzuckerspiegel, Blutfette und IGF1 bestimmen lassen. Über die Ergebnisse und (hoffentlich) weitere Fortschritte werde ich Sie dann an gleicher Stelle zeitnah unterrichten.

