Burnout ist eine psychische Erkrankung mit unzähligen Gesichtern. Zentraler Punkt ist eine komplette emotionale Erschöpfung. Wenn Sie häufig und wiederholt das Gefühl haben, dass Sie den Anforderungen des täglichen Lebens nicht mehr gewachsen sind…

Burnout ist eine psychische Erkrankung mit unzähligen Gesichtern. Zentraler Punkt ist eine komplette emotionale Erschöpfung. Wenn Sie häufig und wiederholt das Gefühl haben, dass Sie den Anforderungen des täglichen Lebens nicht mehr gewachsen sind („Ich kann nicht mehr“) , vermehrt Ihr gesamtes Umfeld abstoßend empfinden („Ich kann niemand mehr ertragen“) oder auch Ihre Motivation spürbar zurückgeht („Ich habe keine Lust mehr“), kann das auf einen beginnenden Burnout hindeuten. Wenn diesem Prozess nicht Einhalt geboten wird, führt es zu einer Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit, der Kreativität und des Selbstwertgefühls. Im weiteren Verlauf kommen häufig auch körperliche Beschwerden wie Muskelverspannungen, Magenschmerzen oder hartnäckige Ohrgeräusche (Tinitus) hinzu.

Wer ist besonders betroffen?

Entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung sind es nicht die Entscheidungsträger in Industrie und Wirtschaft, die hauptsächlich vom Burnout betroffen sind. In der Mehrzahl sind es Menschen aus sozialen Berufen, wie Lehrer, Pflegeberufe, Psychologen oder Sozialarbeiter. Aber auch eine beträchtliche Anzahl von Hausfrauen, insbesondere in kinderreichen Familien ist betroffen. Einerseits stecken sie sehr viel Engagement in die Arbeit, wollen helfen und bekommen dafür nur relativ wenig Anerkennung. Anderseits fehlt ihnen oft die emotionale Distanz zu den Menschen, mit denen sie arbeiten, und so machen sie deren Probleme zu ihren Eigenen.

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Entwicklung und Symptome

Ein Burnout entwickelt sich langsam über zahlreiche Vorstufen, manchmal dauert es Monate oder Jahre, bis das Krankheitsbild sichtbar ist. Am Anfang steht nur eine übermäßige, arbeitsbedingte Erschöpfung, die sich nach einer Ruhephase schon wieder spürbar reduziert. Im nächsten Schritt haben die Betroffenen häufig den Eindruck, dass ihnen einfach zu wenig Zeit zur Verfügung steht, um ihre Aufgaben oder Probleme lösen zu können. Dann kommen Einschlaf- und Durchschlafprobleme hinzu, weil sie nicht abschalten können. Oft führt das zu noch intensiveren Anstrengungen, alles auf einmal erledigen zu wollen. Dieser Zustand der Überarbeitung kann sehr lange bestehen bleiben. Der Preis dafür sind ständige Müdigkeit, Erschöpfungszustände, manchmal auch Wut oder Angst. Irgendwann denken die Erkrankten, dass sie trotz allen Bemühens ihre selbst auferlegten Pflichten nicht mehr bewältigen können und ziehen sich von allem zurück.

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In diesem Zustand ist das Krankheitsbild dann voll ausgeprägt. Mit dem nachlassenden Engagement bei der Arbeitsbewältigung werden gleichzeitig auch die sozialen Kontakte zurück gefahren und es tritt ein innerliches Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit auf. Neben den eingangs erwähnten körperlichen Symptomen zeigen sich in dieser Phase auch die vielen verschiedenen Facetten des Burnouts. Einige Betroffene greifen zu Alkohol oder anderen Drogen, andere versuchen, über exzessiven Konsum (Shoppingsucht) oder über Automatenglücksspiele (Spielsucht) ihren Problemen auszuweichen. Eine weitere Gruppe entwickelt eine emotionale Abgestumpftheit oder Symptome, die fast nicht von einer klassischen Depression zu unterscheiden sind.

Wege aus der Krankheit

Leider gibt es keine Pillen, welche die Ursachen eines Burnouts beseitigen können. Psychopharmaka wie beispielsweise Stimmungsaufheller können zwar kurzfristige Symptome lindern, verzögern und verschieben den Verlauf der Erkrankung jedoch nur zeitlich und eng begrenzt. Dies kann sogar soweit führen, dass sich hier quasi als Zweiterkrankung eine zusätzliche Sucht etabliert, während die Krankheit selbst überhaupt nicht behandelt wird. Zunächst einmal zählt, sich über die eigene Situation bewusst zu werden und die konkreten Lebensumstände zu erkennen, die in den Burnout hinein führten. Im voll ausgeprägten Krankheitsbild wird das ohne die fachliche Hilfe eines Psychiaters oder Psychologen nahezu unmöglich und es kann sehr lange dauern, bis Besserung eintritt.

Vorbeugung ist die beste Therapie

Gerade weil es so schwer ist, die Krankheit im manifestierten Zustand zu behandeln, ist Vorbeugung umso wichtiger. Burnout entsteht immer aus persönlichem Stress heraus und einer einseitigen Lebensweise. Wenn wir die Lebenssituation eines Einzelnen betrachten, kann man auch auf das Symbol von Fässern zurück greifen. Da gibt es Fässer, die gut gefüllt sind, wie etwa Erfolg, Geld Herausforderung. Andere sind leer, wie beispielsweise Anerkennung, Selbstachtung, Liebe. Die leeren Fässer verursachen das Gefühl eines Mangels und ein Verlangen, das übermächtig werden kann. Um eine Balance herzustellen, muss man auch bereit sein, auf einen bestimmten Teil in den vollen Fässern zu verzichten.

Bei der Burnout Vorbeugung reicht es oft schon aus, eine gesunde Balance zwischen Arbeit, Freizeitbeschäftigungen und Ruhephasen zu finden. Das erfordert einen gewissen Lernprozess. Man muss unter anderem lernen, sich selbst besser zu organisieren, genügend Zeit für Aufgaben einplanen und auch die Fähigkeit, Pflichten auf andere zu übertragen, also zu delegieren. Weitaus schwerer fällt es den meisten, nach der Arbeit abzuschalten und die Probleme im wahrsten Sinne des Wortes „vor der Haustür“ zu lassen. Aber wer den Versuch wagt und sich darauf einlässt, sieht die Probleme mit etwas Abstand oft aus einer völlig neuen Perspektive und findet so auch den Schlüssel zu deren Lösung.

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Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme ist aber, wieder mehr Selbstbestimmung und Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen. Natürlich sind alle Menschen gewissen Sachzwängen ausgesetzt, aber die gilt es, auf ein unabdingbares Minimum zu reduzieren. Das Erlernen der Fähigkeit, eigenverantwortlich und dabei verantwortungsbewusst zu handeln, nimmt gleichzeitig anderen die Möglichkeit, zum Spielball ihrer Interessen zu werden.

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Burnout wirksam vorbeugen
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