Alleine bei Operationen „vergessen“ Chirurgen pro Jahr in Deutschland bis zu 3.000 Fremdkörper wie Tupfer, Pinzetten etc. im Inneren ihrer Patienten. 600 bis 700 bedauernswerte Menschen…

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Alleine bei Operationen „vergessen“ Chirurgen pro Jahr in Deutschland bis zu 3.000 Fremdkörper wie Tupfer, Pinzetten etc. im Inneren ihrer Patienten. 600 bis 700 bedauernswerte Menschen kostet dieser Fehler letztendlich das Leben. Aber nicht nur vergessene Materialien, sondern auch Krankenhausinfektionen aufgrund mangelnder Hygiene stellen in den meisten Fällen ein vermeidbares Problem mit ernsten Konsequenzen dar.

Das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte und als absolut seriös geltende Aktionsbündnis Patientensicherheit macht vor allem wirtschaftliche Interessen dafür verantwortlich. Arbeitsüberlastung bei Ärzten und Pflegepersonal schafft Platz für Fehler und Einsparungen an allen Ecken und Enden werden vor die Sicherheitsinteressen der Patienten gestellt.

Die Technikerkrankenkasse geht nach Expertenschätzungen von jährlich 360.000 bis 720.000 vermeidbaren Behandlungsfehlern pro Jahr in deutschen Krankenhäusern aus. Und etwa jeder 8. Deutsche glaubt, dass es bei ihm innerhalb der letzten 10 Jahre mindestens einmal zu einem Fehler bei einer ärztlichen Untersuchung oder Behandlung gekommen ist.

Ganz schön derbe Zahlen, die Anlass genug sind, darüber aufzuklären, was ein Patient bei einem vermuteten Arztfehler tun kann.

Ärzte sind auch nur Menschen

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Ein altes Sprichwort sagt „Irren ist menschlich“ und wo gearbeitet wird, passieren zwangsläufig immer wieder einmal Fehler. Glücklicherweise sind die meisten Fehler wie auch die meisten Krankheiten „heilbar“ und hinterlassen nur selten dauerhafte Schäden. Wichtig ist aber, dass der Arzt und seine Mitarbeiter über ein sehr gutes Krisenmanagement verfügen, um einen Fehler so früh und effizient wie irgend möglich zu reparieren.

Und auch nicht jede Komplikation im Genesungsverlauf hat ihre Ursache in einem vermeidbaren Behandlungsfehler. Es gibt zahlreiche Schwierigkeiten, die auftreten können, obwohl der Arzt nach menschlichem Ermessen alles richtig gemacht hat. Der menschliche Körper ist ein hochkomplexes System und niemand kann jede Reaktion des Körpers auf ein Medikament oder eine Operation genau voraussagen. Ebenso kann es zu einer Infektion kommen, obwohl die bestmöglichen Hygienestandards eingehalten wurden.

Definition eines Behandlungsfehlers

Nach rechtlicher Definition müssen 3 Faktoren vorliegen, damit man von einem Behandlungsfehler sprechen kann:

– Es muss ein tatsächlicher Schaden vorliegen.

– Der Schaden muss ursächlich auf eine Behandlung zurückzuführen sein.

– Bei der Behandlung wurde gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen.

Etwas zusammenhängender definiert es der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen: „Wird die Behandlung nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder zeitgerecht durchgeführt, so wird dies als Behandlungsfehler bezeichnet.“

Nachweispflicht liegt beim Patienten

Grundsätzlich muss der Patient nachweisen, dass bei ihm ein Behandlungsfehler vorliegt und nicht der Arzt, dass er alles richtig gemacht hat. Diese Aufgabe ist nicht immer leicht, aber jeder Patient kann Hilfe erwarten und hat auch einen Rechtsanspruch darauf.

Zunächst einmal hat jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf ein kostenfreies Gutachten, das durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung erstellt werden muss. Häufig wird das Gutachten rein durch Aktenlage erstellt und nur selten der Patient direkt vom Gutachter untersucht. Allerdings kann die Erstellung eines derartigen Gutachtens durchaus mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Des weiteren kann sich jeder Patient bei einem vermuteten Behandlungsfehler an die Gutachter- und Schlichtungsstelle jener Landesärztekammer wenden, bei der der behandelnde Arzt Mitglied ist. Ein Rechtsanspruch besteht hier jedoch nicht, die Teilnahme an einem Schlichtungsverfahren ist für den Arzt freiwillig.

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Wenn man mit diesen Lösungswegen nicht weiter kommt, bleibt nur noch der Gang vor Gericht. Allerdings ist der Rechtsweg mit erheblichen Kosten verbunden und kann nur in Verbindung mit einem Rechtsanwalt, vorzugsweise spezialisiert auf Medizinrecht, beschritten werden. Grundsätzlich muss der Kläger, in diesem Fall der Patient, vorab notwendige Auslagen und Gebühren vorstrecken. In der Regel wird das Gericht einen Gutachter bestellen und die Kosten des Gutachters müssen ebenfalls zunächst vom Patienten getragen werden.

Was man selbst tun kann

Zunächst sollten Sie sich eine Kopie Ihrer Patientenakte aushändigen lassen. Jeder Patient hat einen rechtlichen Anspruch darauf. Da jeder Arzt eine ausführliche Dokumentationspflicht hat, sind manche Fehler in der Akte schriftlich festgehalten.

Dann ist es wichtig, ein schriftliches Gedächtnisprotokoll vom Ablauf der Untersuchung und der Behandlung anzufertigen. Es dient als Grundlage für alle weiteren Schritte. Vielleicht können Sie auch noch Kontakt mit ehemaligen Zimmernachbarn im Krankenhaus aufnehmen. Manchmal haben die ein Gespräch zwischen Ihnen und dem Arzt mitbekommen und sind dann in einem Rechtsstreit wertvolle Zeugen.

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